Alexander Peters führt nun Feuerwehr

Neuer Kommandant einstimmig gewählt, Christian Zieten ist zweiter Stellvertreter, Ereignisreiches Jahr für die 75 Aktiven

Bericht: Thomas Zoch

Nach nur zwei Jahren als stellvertretender Kommandant hat die Freiwillige Feuerwehr Reichenau nun Alexander Peters einstimmig zu ihrem neuen Kommandanten gewählt - begleitet von viel Applaus und Bravo-Rufen. Die Wahl war nötig geworden, weil Kommandant Sebastian Böhler im vergangenen Dezember nach nicht einmal zwei Jahren seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen erklärt hatte. Da Peters damit in die vorderste Führungsposition aufrückt, brauchte es zudem einen neuen zweiten stellvertretenden Kommandanten. Christian Zieten erklärte sich dazu bereit, er wurde ebenfalls einstimmig gewählt. Weiter Stellvertreter und zudem Jugendwart bleibt Marcus Deggelmann. Die Wahlen erfolgten auf drei Jahre Restlaufzeit, turnusmäßig stehen Neuwahlen der gesamten Führungsmannschaft 2028 an.

Bürgermeister Wolfgang Zoll, der die Wahlen leitete, dankte, dass sie diese verantwortungsvollen Aufgaben übernehmen. Und er dankte Peters und Deggelmann, dass sie in den vergangenen Monaten die Feuerwehr kommissarisch geleitet hatten. Ebenso der ganzen Mannschaft für ihren Einsatz. Schließlich sei die Feuerwehr nicht einfach ein Verein, so Zoll. “Sie muss es geben, das ist für die Gemeinde unabdingbar.” Die Feuerwehrleute würden Leben und Güter retten - auch unter Einsatz des eigenen Lebens, betonte der Bürgermeister. Anerkennende Worte - auch von Seiten der Feuerwehr - gab es zudem für Sebastian Böhler, der zuvor zehn Jahre lang stellvertretender Kommandant und Jugendwart war.

Peters hatte eingangs der gut besuchten Hauptversammlung im Feuerwehrgerätehaus aufs Geschäftsjahr 2024 zurückgeblickt. “Das war ein ereignisreiches Jahr.” Beim Gerätehaus wurde endlich der Garagenanbau fertig gestellt, wobei die Feuerwehr viel Eigenarbeit leistete, wie Schriftführer Thomas Baumgartner anmerkte. Dort ist neben dem Mannschaftstransportwagen und der neu angeschafften Schlauchwaschanlage nun auch weiterer Lagerraum untergebracht. “Wir haben jetzt ausreichend Platz”, meinte Peters. Am Gerätehaus wurde ferner ein Balkon angebaut, der aber nicht der Freizeit, sondern als Übungsplattform dient, womit nicht ein teurer Übungsturm angeschafft werden muss. Zudem erhielt die Reichenauer Feuerwehr einen neuen Gerätewagen Transport (GWT) sowie neue Einsatz- und Dienstkleidung. Und der Funk wurde komplett von analog auf digital umgestellt. Zudem habe ihn und Deggelmann die Zukunft der Feuerwehrführung beschäftigt, so Peters. Es habe Gespräche mit der Verwaltung gegeben. “Wir waren eine Weile auf der Suche.”

Vorausblickend aufs Jahr 2025 sagte Peters, dass ein Feuerwehrbedarfsplan von einer externen Fachfirma erstellt werde. Es gehe darum, was die Feuerwehr in den kommenden Jahren brauchen werde - auch mit Blick auf das geplante Neubaugebiet Lindenbühl-West. Ein größeres Fest soll es am 4.Mai geben, kündigte Peters an. Dann erfolge die Fahrzeugweihe des GWT und es werde 20 Jahre Jugendfeuerwehr gefeiert. Deggelmann fügte an, dass dann auch die neue Kindergruppe vorgestellt werden soll, die man gründen wolle.

Ereignisreich war das Jahr für die Feuerwehr auch bei den Einsätzen, berichtete Schriftführer Baumgartner. Zwar seien es mit 52 Einsätzen und “nur” sieben davon Brandeinsätzen etwas weniger gewesen als in den Vorjahren. Doch es gab einige recht herausfordende. So brannten gleich zu Jahresbeginn beim Campingplatz das Freizeitcenter und eine Fischerhütte. Im Mai gab es bei einem Unfall auf der B33 kurz vor dem Tunnel bei der Waldsiedlung einen größeren Einsatz zusammen mir der Feuerwehr Konstanz. Nachdem ein Auto seitlich in einen Lastwagen gekracht war, liefen rund 500 Liter Dieselkraftstoff aus, die aufgefangen werden mussten. Durch die starken Regenfälle im Juni hatte die Feuerwehr etliche Einsätze wegen Überschwemmungen. Einmal in der Waldsiedlung sei es extrem gewesen, weil die Kanalisation völlig überlastet war. Man habe nicht nur Keller auspumpen müssen, sondern nachts einen kleinen Damm auf der Straße gebaut, um das Wasser zu kanalisieren. Ebenfalls in der Waldsiedlung gab es im August einen Lagerhallenbrand zu löschen. Im Oktober habe die Feuerwehr zusammen mit anderen Rettungskräften die Fahrgäste eines Seehas-Zugs versorgt, der aufgrund eines Suizids auf freier Strecke stand. Schließlich habe man die Leute mittels eines Brücke in einen Seehas auf dem Parallelgleis evakuiert. Und an Silvester brannten im Lindenbühl ein Mülleimer samt dortigem Unterstand. Die Feuerwehraktiven waren kaum wieder zu Hause, da mussten sie an Neujahr zum Campingplatz, wo ein Baum neben dem Hauptgebäude brannte. Glücklicherweise habe es nur einen größeren Schilfbrand gegeben. Die Aufklärungsarbeit, dass diese Brandstiftungen nicht nur eine Straftat sind, sondern auch eine unnötige Gefahr für die Feuerwehr, sowie mehr Schilfpflegemaßnahmen hätten wohl dazu geführt, dass es bei diesem Thema ruhiger geworden sei, meinte Baumgartner.

“Wir sind insgesamt gut aufgestellt”, meinte der Schriftführer. Derzeit gebe es 75 Aktive (Durchschnttsalter: 35,5 Jahre), davon neun Frauen. 44 Aktive seien Atemschutzgeräteträger, hierin seien auch 2024 einige weitere ausgebildet worden. Dies sei umso wichtiger wegen der neuen Herausforderungen durch den Waldsiedlungs-Tunnel. Zudem habe es zwei Neuneinsteiger gegeben aus der Jugendfeuerwehr. Letztere hat derzeit 22 Mitglieder. 21 Leute umfasst zudem die Altersabteilung, so dass die Feuerwehr insgesamt 118 Mitglieder habe, so Baumgartner. “Das ist eine stattliche Zahl.” Und ebenso beachtlich sei die Zahl von 8.240 ehrenamtlichen Stunden, die die Feuerwehr geleistet habe. Auf Mindestlohn umgerechnet wären das rund 102.000 Euro, so Baumgartner. Jugendwart Deggelmann berichtete, dass die Jugendlichen regelmäßig an Übungen und Aktivitäten teilnehmen. Die Nachfrage neuer Interessenten sei größer als die Zahl der Aussteiger.

Kreisbrandmeister Andreas Egger betonte die Bedeutung der Nachwuchsorganisation. “Sie müssen wir hegen und pflegen.” Er hob hervor, dass es auch in den vergangenen Monaten der Übergangszeit ein gutes Miteinander gegeben habe. Und mit Blick auf die Ausstattung und die Baumaßnahmen sagte Egger: “Ich bin echt begeistert, was hier umgesetzt worden ist.”

Ehrungen und Beförderungen

Eine ganz besondere Ehrung nahm Kreisbrandmeister Andreas Egger bei der Reichenauer Feuerwehr vor. Andreas Schlegel ist seit 40 Jahren im aktiven Dienst, davon führte er von 2004 bis 2023 die Feuerwehr als Kommandant und ist seither Ehrenkommandant. Außerdem geehrt wurden für 30 Jahre aktiven Dienst Michael Benz und der neue stellvertretende Kommandant Christian Zieten sowie für 15 Jahre Marcus Deggelmann, Benedikt Futterer, Tobias Keller, Sebastian Mohr und Benjamin Wehrle. Die höchste Beförderung in diesem Jahr war die des neuen Kommandanten Alexander Peters zum Oberbrandmeister. Zur Löschmeisterin befördert wurde Annette Spicker, zum Hauptfeuerwehrmann Patrik Keller und David Wehrle. (toz)

An dieser Stelle herzlichen Dank an Thomas Zoch, der den Bericht für die Veröffentlichung bei der Feuerwehr zur Verfügung gestellt hat.

Das neue Reichenauer Feuerwehr-Kommando, v. L. n. R. Stellv. Kommandant Marcus Deggelmann, Kommandant Alexander Peters, Stellv. Kommandant Christian Zieten. (Quelle: Thomas Baumgartner)